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3+4.10.2009, 15:00-18:00 @ PANIPANAMA

MARCIN ZARZEKA: "Drawings"



Marcin Zarzeka arbeitet u.a. mit Projektion und Installation, Performance. Er zeichnet, malt, fotografiert und filmt. Einen zenralen Baustein seiner Arbeit bildet seine Arbeit als visual artists in der polnischen Band The Complainer and The Complainers (TC&TCs). Sämtliche im PANIPANAMA gezeigten Zeichnungen entstanden während dieser Performances.   

Die Konzert-Performances Marcin Zarzekas als „Complainer“ beinhalten aber nicht nur Aktionszeichnungen auf Folie, deren Entstehung die Konzertbesucher/innen overheadprojiziert mitverfolgen können. Er nimmt auch mal eine Taschenlampe und beleuchtet seine Musiker neugierig und akribisch wie bei einer technischen Überprüfung. Unaufgeregt wirft er dann und wann Strandbällen oder Papierflugzeuge oder schwenkt ganz wie nebenbei große weißen Fahnen. Ein Hauptaspekt der Performances ist jedoch die Projektion. Denn bei den Konzerten zeigt Marcin nicht nur Zeichnungen auf Folie, sondern auch Dias oder Super-8-Filmschnipsel, deren Projektion jedoch nicht statisch geschieht. Das Aufregende an diesen – wie auch den Overheadprojektionen – ist, dass Marcin sich und seine Leiblichkeit nicht über Distanz zu Projektoren und Projektion aus den Arbeiten herauszuhalten versucht. Er trägt die Projektoren wie Taschenlampen über die Bühne und in den Zuschauerraum, leuchtet Musiker und Zuschauer aus nächster Nähe an, bezieht die Schatten seiner Hände und Arme, oder des Kopfes, der Haare subtil und natürlich-unmerklich in die Overheadprojektion ein. Dabei entstehen einzigartige Verbindungen zwischen Repräsentation und Performance: Auf der einen Seite ist DA die Zeichnung mit ihren distanzierten, starren, repräsentationalen, bildlichen  Eigenschaften (deren rationalistisch-mechanistischer Aspekt durch ihre konstruktivistische Formensprache und Farblichkeit noch verstärkt wird). Auf der anderen Seite sind HIER körperlich-leibliche, konkrete, distanz-überwindende Phänomene bei der performativen Arbeit mit Licht und Projektion. Eingebunden werden auch die Zuschauer, die die Möglichkeit haben über die Performance an der Entstehung des Bildes teilhaben zu können. Die Verwebung und Überwindung der Gegensätze von Distanz und Nähe, Abstraktem und Konkreten, Leiblichem und Weltlichem, Natürlichem und Künstlichem, Bewegung und Stillstand, Materialistischem und Metaphysischem, Gefangenen und Entschwundenen, Repräsentationelem und Nicht-Repräsentationelem, diese Textur, dieses Gewebe ist das wirklich Besondere und Ungewöhnliche von Marcin Zarzekas Arbeiten.   

Einige seiner konstruktivistischen Zeichnungen auf Folie - alle entstanden während eines Songs („You have to believe“) bei unterschiedlichen Liveauftritten von TC&TCs - sind overhead projiziert vom 2.-4.10.2009 im Kunstraum PANIPANAMA zu sehen, eine Kostprobe seiner Live Visuals zeigt er bei einer Performance mit Konrad Wolf am 2.10.2009 ab 21 Uhr.   

Marcin Zarzeka studierte an der Akademie der Schönen Künstle (ASP) Wroclaw und derzeit an der Kunstakademie Wien bei Prof. Amelie von Wulffen. Gruppenausstellungen u.a. CSW Warschau, Galeria Kronika Bytom, Raster, Warschau. 2008 erhielt er den ersten Preis im Belvedere Contemporary Art Award, Belvedere, Augarten Contemporary, Wien (Jury: i.a. Kathrin Rhomberg, Eva Maria Stadler, Erwin Bohatsch, Agnes Husslein-Arco).  

 (Text: Bernd Adamek-Schyma)

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